Letzte Woche war es soweit: Workaholic Trent Reznor veröffentlicht gerade mal zwei Monate nach dem 36-Track-Riesen-Instrumental-Paket Ghosts I-IV ein neues Album. Diesmal nicht wahlweise als Ultra-Deluxe-Nearly-Non-Existent-Edition, aber auch nicht als spottbilligen Download. Diesmal einfach mal für lau. Und dafür, dass es umsonst ist, ist es auch gar nicht mal schlecht. Es geht wieder rockiger und poppiger zu, und es wird wieder gesungen. Es erinnert ein wenig an With Teeth. Es lohnt sich durchaus, da mal reinzuhören. Kost' ja nix. Hier gibt's The Slip
Die Monotonix haben's endlich geschafft. Die vielleicht beste Live-Band der Welt hat endlich eine richtig gute Platte aufgenommen. Dem Album, das letztes Jahr erschien, fehlte ja irgendwie der Saft. Jetzt haben sie einfach sechs Stücke aus dem Album rausgepickt, mit komplett neuem Produzenten komplett neu aufgenommen und dann in diesem neuen Gewand noch mal veröffentlicht. Das Ergebnis ist die Body Language EP. Klar, live ist immer noch ne ganz andere Liga, aber hier wird schon ganz ordentlich auf den Putz gehauen. Ach ja, à propos Monotonix live: Zur Zeit sind sie in Deutschland unterwegs.
Gar nicht neu, aber unbedingt eine Erwähnung wert, ist Reiko Ike no miryoku, eine Sammlung sehr eigenartiger Songs, die die blutjunge Reiko Ike, vor einigen Jahrzehnten mal legendäre Heldin etlicher japanischer Pinky Violence Reißer, anno 1971 aufgenommen hat. Zu Seventies-Lounge-Pop haucht sie hier also Texte, deren Inhalte mir leider gänzlich verschleiert bleiben, und zwischen den Strophen stöhnt sie dann hemmungslos drauf los. Erschienen ist das ganze damals exklusiv auf Kassette, doch die ist heutzutage nahezu unnauffindbar. Wiederveröffentlicht wurde es aber vor drei Jahren unter dem Titel Reiko Ike Sings! auf CD von Panik House Entertainment, erhältlich allerdings nur innerhalb der Pinky Violence Collection DVD-Box.
Ich war auf einer wunderbaren Party. Die, die da waren, waren wunderbar. Gut, Party ist dann doch das falsche Wort. Und nicht alle, die da waren (zumindest im Publikum), waren wunderbar. Wunderbar war aber trotzdem der Abend, der eben nicht aus einer Party bestand, sondern aus einer Kombination aus Lesung und Konzert eines der großartigsten Künstler, die dieses Land im Moment zu bieten hat. PeterLicht nämlich las abwechselnd aus seinem aktuellen Buch Die Geschichte meiner Einschätzung am Anfang des dritten Jahrtausends und spielte mit seiner Band ein sehr breites Repertoire. Jene Befürchtungen, dass er ob des Titels unter dem der Abend firmierte, nur Stücke aus seinem letzten Album spielen würde, lösten sich schnell in Luft auf. Lied gegen die Schwerkraft, Fuzzipelz, Die Geschichte vom Sommer und Sonnendeck waren ebenso dabei wie Lied vom Ende des Kapitalismus, Das absolute Glück, Wettentspannen, Wir werden siegen, Gerader Weg und Benimmunterricht (Der Arbeitgeberpräsident) oder sogar drei bisher gar nicht auf Tonträgern gebannte Lieder. Highlights des Abends waren dabei für mich das sehr gemütliche Safarinachmittag, Wir sind jung und wir machen uns Sorgen über unsere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, zu dem er zwecks Publikumsbeteiligung vorher Texte ausgeteilt hatte und selbst die Sitar spielte, Ihr lieben 68er, dessen Text er nun so gar nicht auf die Reihe kriegte und schließlich in seinen Unterlagen nachlesen musste, und natürlich das ohnehin geniale Mutter aller Parties, das auf der Bühne zu einer psychedelischen Rocknummer wurde. Und PeterLicht spielte dazu ohne Bogen auf seinem umgehängten Wandercello. Es gab stehende Ovationen, eine ausgiebige Zugabe und ganz zum Schluss noch ein Offenes Ende. Unjd schließlich, als der Kapitalismus dann wirklich endgültig vorbei war, konnte man sich noch mit T-Shirts, Büchern und CDs eindecken. Es sei hiermit jedem ans Herz gelegt: PeterLicht live sollte man erlebt haben. Er hat nämlich wesentlich mehr zu bieten als nur sein Gesicht.
Der ein oder andere hat bestimmt schon mitbekommen, dass Trent Reznor am Sonntag völlig überraschend ein neues Nine Inch Nails (Doppel-)Album veröffentlicht hat. Die Preisspanne beginnt dabei bei gemütlichen $5 für einen hochwertigen Download inkl. 40-seitigem PDF-Booklet, geht dann über immer noch überschaubare $10 für eine physische Doppel-CD und endet nach einem Zwischenstopp bei $75 für die "Deluxe Edition" letztendlich bei der "Ultra-Deluxe-Edition", die dann auch nur $300 kostet. Und was da drin und drauf ist, muss man sich mal reinziehen:
-Das Album auf zwei CDs. -Das Album in Multi-Track auf einer DVD, mit der Möglichkeit, selbst zu remixen. -Das Album auf einer Blu-Ray in supertotaler Tonqualität und mit begleitender Slideshow. -Das Album auf vier 180g schweren LPs. -Einen großformatigen 48-seitigen Bildband. -Noch ein Buch, das zwei großformatige Drucke enthält, die man auch rausnehmen und rahmen kann. -Eine Unterschrift von Trent persönlich.
Wer mitgezählt hat, hat bemerkt, dass hier ein und dasselbe Album viermal enthalten ist (eigentlich sogar fünfmal, wenn man den selbstverständlich im Kaufpreis enthaltenen Download noch mitrechnet), in vier Formaten, von denen jedes das andere zu übertreffen wollen scheint. Und jetzt weiß ich nicht, was unglaublicher ist: Dass jemand so ein gigantisches, megalomanisches Box-Set, das wahrscheinlich in einem unfassbar bizarren Fiebertraum erdacht wurde (Ich werde auch das Gefühl nicht los, dass hier auch irgendwie Radioheads "In Rainbows-Discbox" um jeden Preis übertroffen werden soll, die ja auch schon sehr opulent ausgefallen ist, aber mit 40 Pfund doch vergleichsweise preiswert.), tatsächlich herstellen lässt und veröffentlicht oder die Tatsache, dass dieses Ungetüm innerhalb von drei Tagen ausverkauft ist, dass es also durchaus mindestens 2500 Menschen gibt (denn auf diese Zahl war das Ding limitiert), die sehr spontan bereit sind dreihundert Dollar für ein einziges Album auszugeben.
Puh. Nach all dem Geschwalle kann ich leider gar nichts zu dem eigentlichen Inhalt sagen (also der Musik), denn die fünf Dollar hab ich zwar schon bezahlt, aber der Download ist (wohl wegen Serverüberlastung) einfach abgebrochen, der Download-Link abgelaufen. Auf die E-Mail vom Kundenservice wart ich jetzt.